SIC RS 14’x24,5″ – Die Allzweck-Waffe

Die Neugier, herauszufinden welche Vorteile ein Hardboard im Vergleich zu einem sehr schnellen und guten Inflatable hat, führten mich zum SIC RS 14’x24,5″ 2018/2019.

Durch und durch souveräne Vertreter ihrer Boardkategorien
SIC RS 14’x24,5″ & SIC Bullet AirGlide 14’x28,5″

Raceboards zeichnen sich durch eine schmale Bauform, ein geringes Gewicht und eine optimierte Volumenverteilung aus, um maximale Performance im angedachten Einsatzbereich zu liefern. Zusätzlich bietet die steife Konstruktion Möglichkeiten das Unterwasserschiff als auch die Kanten zu optimieren.

Im Gegensatz zu vielen anderen Marken verzichtete man bei SIC MAUI darauf, ein dezidiertes Flachwasserboard in den Markt zu bringen. Mit dem „RS“ alias Rocket Ship sollte das ambitionierte Ziel erreicht werden von Flachwasser über Kabbelwasser bis hin zu open Ocean einen möglichst großen Einsatzbereich abzudecken.

Dieses Ziel wurde offenbar mit Bravour gemeistert und führte 2019 mitunter zum SupConnect Award im Bereich Raceboards.

Eine für Raceboards sehr komplette Ausstattung inkl. Gepäcknetz, FCS Mount, Gore-Tex Ventil, gut positionierte Tragegriffe samt konkurrenzlos gutem EZ-Grab Tragegriff runden das Paket ab.

Die mitgelieferte Finne ist hochwertig ausgeführt, wird aber wohl von den meisten Racern gegen ein favorisiertes Modell getauscht werden.

Leasing-Points vor der Standfläche und am Heck des Boards gehören mittlerweile zur Standardausstattung. Das gleichmäßig in Crocodile-Skin-Ausführung verlaufende Deckpad ist ausreichend griffig und komfortabel, lässt einen aber auch nicht erfühlen wo genau man sich gerade am Board befindet.

In Summe 4 Entwässerungsöffnungen sorgen dafür, dass sich nicht zu viel Wasser an Deck sammelt. Da die Seitenwände nur minimal hochgezogen sind findet sich auch schneller Wasser an Deck als bei sog. Dugout-Boarddesigns.

Der an der Nose eingearbeitete FCS Mount ist nie im Weg, benötigt bei Actionkameras aber eine kleine Verlängerung um auch bei kleineren Wellen vor Wasser geschützt zu sein. Natürlich wäre Wasser an sich nicht das Problem, Tropfen auf der Linse geben aber auch kein gutes Bild ab.

Shape

Gut zu sehen – die ausgeprägte Scoop-Rockerlinie des SIC RS 2018/19.

Selten findet man bei Rennen „Laborbedingungen“ vor und so verfügt das SIC RS über einen sehr allroundtauglichen Shape, der bei nahezu allen Bedingungen gut funktioniert. Da das RS in der 14′ Variante in 5 Breiten erhältlich ist, sollte sich für jeden Fahrer von 50-120kg und jeglichem Fahrkönnen die passende Option finden lassen.

Bei reinen Flachwasserbedingungen gibt es durchaus schnellere Boards als das RS. Wenn man aber gerade nicht das Fahrerfeld dominiert und einen der „Wash“ der anderen Fahrer nicht gleich aus dem Konzept werfen soll, ist auch bei „perfekten“ Bedingungen auf eine ausreichende Kippstabilität zu achten. Bei vielen längeren Touren halfen mir die Allroundeigenschaften des RS schon des Öfteren, sicher zum Ausgangspunkt zurückzukehren, auch wenn das Wetter mal plötzlich umschlug.

Allroundeigenschaften haben immer den faden Beigeschmack, starke Kompromisse in den spezialisierten Bedingungen in Kauf nehmen zu müssen.

Viele Raceboards bauen erst mit höheren Geschwindigkeiten eine gewisse Kippstabilität auf. Nicht so das RS, schon bei geringen Geschwindigkeiten hat das RS eine geringe Rollneigung sodass man schnell damit klar kommt.

Auch Gelegenheitspaddlerinnen kamen auf Anhieb gut zurecht mit dem RocketShip.

Der Wechsel vom 10,16cm breiteren SIC Bullet AirGlide 14’x28,5″ stellte weder mich, noch andere Paddler vor große Herausforderungen. Im Gegensatz zum Inflatable genießt man zudem den Vorteil einer sehr guten sekundären Kippstabilität.

Sofern man nicht gesamte Breite der Standfläche ausnutzt, ist das Stehen auf einem Bein auch problemlos möglich ohne das Board zu „flippen“.

Scoop-Rocker

Einer der Gründe warum das RS sich bei so vielen unterschiedlichen Bedingungen verhältnismäßig einfach fahren lässt, liegt an der relativ starken Aufbiegung an Bug und Heck des Boards. Zum einen kommt die Nose schön aus dem Wasser sobald man sich Richtung Heck bewegt, zum anderen führen kleinere Veränderungen der Standposition zu schnell anpassbarem Fahrverhalten. Selbst bei zentraler Standposition liegt die Nose auch bei 100kg Fahrern nicht gänzlich im Wasser, das hat Vor und Nachteile.

Nose

Die leicht aufgebogene, im Flachwasser nie gänzlich im Wasser liegende Nose hat eine relativ runde Form und ist dadurch wenig anfällig für Wasserwirbel und andere die Stabilität gefährdende Einflüsse. Bei kleineren Wellen geht das RS eher über die Welle als direkt hindurch, wenn die Wellen größer werden wird das Board auch nur marginal gebremst Wasser kann durch das Hohe Volumen der Nose schnell abgeleitet werden ohne auf die Standfläche zu reichen. Im Sprint kommt die Nose schnell aus dem Wasser und ermöglicht schnelles Aufgleiten am Wasser, wodurch sehr hohe Spitzengeschwindigkeiten möglich sind.

Heck

Mit einer Breite von 28cm ist das kantig gehaltene Heck ausreichend stabil für StepBackTurns und verfügt über ausreichend Volumen um auch im Sprint nicht wegzutauchen. Leider verfügt das Deckpad des RS über kein Kickpad oder unterschiedlich ausgeführte Oberflächen, welche einem die aktuelle Position der Füße erfühlen ließe. Der Wasserabriss ist äußerst sauber und beim Downwinden muss man auch kein Vollprofi sein um das RS sicher fahren zu können.

Unterwasserschiff

Erste Versuche beim Stehback-Turn klappten relativ gut erfordern aber dann doch einige Übung.

Unauffällig und ohne großartige Besonderheiten zeigt sich das Unterwasserschiff des RS, was langweilig klingt hat aber auch einige Vorteile. Die eher steilen Flanken ab Boardmitte gepaart mit dem „StepChannel“ im hinteren Drittel des Boards sorgen für guten Geradeauslauf. Boards mit stärkeren Konkaven lassen sich jedoch einfacher durch Gewichtsverlagerung lenken und halten nochmals besser die Spur, sind aber auch anfälliger bei Seitenwelle.

Rails

Die abgerundeten und mit Innegra verstärkten Rails, konnten schon so einige unkontrollierte Paddelschläge unbeeindruckt wegstecken. Bedingt durch die rundliche Form liegt auch der Paddelschaft bei enger Führung nur auf einer sehr kleinen Fläche auf, gerade bei Boards mit sehr hohen geraden Seitenwänden sind schneller Abnutzungserscheinungen zu erwarten.

Verarbeitung/Materialien/Haptik

Paddler >100kg schätzen die verhältnismäßig gute Kippstabilität, trotz geringer Breite.

Die Verarbeitung ist wie in diesem Preisbereich zu erwarten tadellos. Im Gegensatz zu Inflatables sollte man dennoch beim rangieren erhöhte Vorsicht walten lassen, wenn Kontakt mit harten Oberflächen vorkommen kann. Das SIC RS 14’x24,5″ gehört mit den lediglich 11,7kg zu den leichteren Vertretern seiner Klasse. Beim Hüpfen auf der Standfläche zeigt das Board aber auch etwas flex, was bei normalen Bedingungen aber nicht weiter negativ auffällt. Dennoch würde ich mir eine etwas höhere Steifigkeit wie bei einigen Wannenboards a la Fanatic Strike Carbon oder dem 2020-er Naish Javelin wünschen.

Fazit

Auch bei längeren Touren ein angenehm und entspannt zu fahrendes Board.

Ein schneller unauffälliger, allroundiger Begleiter für alle Lebenslagen… müsste ich mich für nur ein Board entscheiden würde meine Wahl wieder auf das SIC RS fallen. Es stellt den Fahrer vor keine großen Herausforderungen, macht bei Flachwasser als auch bei Welle eine gute Figur und ist dank Gepäcknetz und konkurrenzlos gutem Tragegriff auch noch eingeschränkt Tourentauglich.

Schnell ist man auf den Boards auf denen man sich auch bei schwierigeren Bedingungen wohl fühlt. Aktuell kann ich zwar bei Trainingsbedingungen mit dem Strike etwas schneller fahren und bin ca. 12sek/km schneller damit, hat man aber mit stärkerer Strömung oder schwierigeren Bedingungen zu kämpfen, reicht mein Fahrkönnen definitiv noch nicht aus um auch bei Rennen zuversichtlich mit dem Strike an den Start gehen zu können.

Durch den Modellwechsel ist das 2019-er Modell derzeit zu verhältnismäßig günstigen Konditionen zu erwerben. Am Besten selbst testen beim Mike eures Vertrauens, oder einfach mal Kontakt aufnehmen, gerne lasse ich interessierte Fahrer bei Gelegenheit meine Boards testen.

Hier noch der Link zu meiner Youtube Playlist mit einigen Videos des RS:

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https://www.youtube.com/playlist?list=PL9-eqG9CKq6vb8y2L_l2_xNl1u5GV-r_O

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