Während sich StandUpPaddling international und vor allem im asiatischen Raum längst als populäre Sportart etabliert hat, scheinen sich die Anbieter von Performance Artikeln im europäischen Raum konsolidiert zu haben…

Bei Performance SUP Paddles hat sich in den letzten Jahren gefühlt wenig getan und neu erfinden muss man Paddel auch nicht mehr. Die allgemeinen Rezepte für ein gelungenes Paddeldesign sollten mittlerweile bekannt sein und so freut es mich, mit Langusso Paddles einen Paddelhersteller vorstellen zu können, der vor allem (aber nicht nur) für schwere Paddler äußerst interessant sein dürfte!
Langusso Talon
Das Talon wird als das Top of the Line Paddel vermarktet und um es in der Testgröße 83sqi mit verschiedenen Boards und von unterschiedlichen Paddler*innen testen lassen zu können, habe ich es als zweiteiliges Paddel aufgebaut. Weiteres kürzen des originalen Schafts war nicht nötig, da sich die Gesamtlänge mit dem 83-er Blatt zwischen 176 und 196 cm bewegt. Genau genommen, kann man das Paddel sogar nochmal ca. 5 cm weiter versenken und ist dann bei knapp über 170 cm. Mit einer Range von knapp 26 cm wäre das dann sogar das optimale Familienpaddel für ehemalige Eiskunstlaufprofis.

Konzentrieren wir uns mal auf das interessanteste Detail dieses Paddels -> Die Geometrie des Paddelblattes.
Talon dürfte – neben claw – die englische Bezeichnung für Krallen, insbesondere jene von Greifvögeln, sein -> und genau so sieht die Rückseite des Paddelblattes auch aus. Drei relativ hohe Stege versteifen das im Profil sehr schlanke Paddelblatt.
Im direkten Vergleich mit QB UV oder dem T2 merkt man auch, dass diese Versteifungen Wirkung zeigen. Perfekt dazu passend sind die äußerst steifen Schäfte, welche sich trotz lediglich 29 mm Durchmesser auf dem Niveau von Bracas Medium-Stiff Schäften bewegen! Das Resultat ist ein sehr direktes Paddelgefühl, welches bei mir dringend notwendig ist um jederzeit “Herr der Lage” sein zu können und um volles Gewicht aufs Paddel bringen zu können.
Die Face Side zeigt sich mit einer tiefen Konkave und einer gut ausgeprägten Kröpfung an der Blattspitze für sehr schnellen Druckaufbau. Um das Paddel sauber und schnell führen zu können, braucht es keine besondere Technik – auch Anfänger kommen hiermit schnell klar.

Meine ersten Runden habe ich mit Christian Tauchers Liebling , dem Knight 77 gedreht: Ein auf 189,5 cm gekürzter, konifizierter extra Stiff Schaft und lediglich 426 g Gesamtgewicht. Bei diesem Paddel habe ich mich eher gefragt wozu man den gar so steifen Schaft brauchen sollte, weil einen dieses Blatt deutlich weniger fordert als das 83-er Talon. Vielleicht sollte ich noch ein paar Wochen im Trainingskeller verbringen – ein 88-er Talon bestellen und dann meine körperlichen Grenzen testen.
Beim Talon habe ich ein ähnliches Feeling wie mit dem QB T2, welches sich auch deutlich größer anfühlt, als es die Messwerte hergeben. So habe ich beim Talon einen sehr guten Grip beim Catch und kann mit relativ geringer Zugzahl irrsinnig hohe Geschwindigkeiten erreichen. Die 510 Gramm im zweiteiligen Aufbau stören mich dabei absolut nicht und gerade bei Sprints variiere ich gerne und oft mit der Paddellänge, dadurch präferiere ich sogar das 2Pc gegenüber der einteiligen Variante.
Wenn ich unschlüssig bin, ob ich einfach nur gemütlich eine Runde drehen möchte, oder ein paar knackige Sprints rauspeitschen möchte, erwische ich mich in letzter Zeit immer öfter dabei, zum Langusso Talon zu greifen.
Ein weiterer sehr aufschlussreicher Vergleich war für mich der Vergleich zwischen der Prepreg Variante des Starboard Velocity in Größe L mit skinny oval pro f35 Schaft. Verdammt… die Bezeichnung ist so lange, dass ich bald zwei Sätze dafür brauche!!! Drei Sätze – im direkten Vergleich merkt man dem Talon an, dass es beim Catch deutlich früher Druck aufbaut und in der Zugphase Minimum den selben Biss bietet. Beim Exit muss man allerdings etwas schneller sein, als beim Velocity mit außergewöhnlichen 12° Blattwinkel.
Bei Paddles in dieser Preisklasse sucht man das individuell am besten passende Paddel und darf erwarten, dass bestmögliche Verarbeitung, Paddelblätter ohne scharfe Kanten (leider ein Manko vieler Paddles) sowieso zum Standard gehören. In diesem Fall wird man zudem mit vielen cleveren Details überrascht.
Paddel für Detailverliebte
Der Verstellmechanismus ist bestimmt das Langlebigste, was ich bisher bei verstellbaren SUP Paddles gesehen habe und erinnert an die Titanium Clamp von Jantex Kayakpaddles.
Der Schaft ist zum einen erfreulich griffig und durch die oberste helle, optisch ansprechende Glasfaserlage erwärmt sich das Paddel auch nicht wenn es mal in der prallen Mittagssonne sein Dasein fristen muss. Der Übergang von Blade zum Schaft gelingt Langusso absolut perfekt, hier gibt es keine störenden Nuten oder Kanten zu beklagen.
Ob die spitze Abrisskante wirklich für weniger Cavitation sorgt, hab ich noch nicht ausprobiert, negativ trat sie jedenfalls bisher nicht in Erscheinung.
Was jedoch sofort merklich war, ist der sofortige und starke Druckaufbau beim Catch und der phantastische Grip in der Zugphase. Das Paddel stabilisiert sich hervorragend selbst und benötigt keine besonders saubere Technik wie diverse Braca Modelle. Am Ehesten erinnert es an das Starboard Lima, ohne aber beim Exit so gnadenlos zu sein.

Wenn etwas noch harmonischer sein dürfte, dann wäre es das Eintauchen beim Catch. Hier ist eine Spur mehr Präzision gefragt, als bei “dihedral” Shapes wie dem Quickblade T2 .
Vom Paddelblatt bis zum Griff, hat man mit dem Talon ein durchdachtes, steifes Paddel welches sich auch in diesen vermeintlich kleinen Blattgrößen für viele Paddler*innen eignet. Leichte Paddler*innen die keinen großen Gegendruck am Paddel erwarten, haben viele Optionen am Markt – schwere und oder kräftige Paddler hingegen werden bei Marken wie Langusso, Braca oder Jantex fündig werden, wenn auch 2PC eine Option sein soll.

Was ist eigentlich mit Starboard?! Naja, deren Paddel haben mittlerweile auch schon etliche Evolutionsstufen hinter sich und das Starboard Lima ist dem Talon durchaus ähnlich. Das Velocity hingegen ist beim Catch sanfter, hat aber in der Zugphase auch vergleichbaren Druck in Größe L.
Für wen ist nun das Paddel nicht geeignet?

Der entspannt am 12,6′ x 34″ stehende 2m Riese wird mit der maximalen Paddellänge vermutlich seine Probleme haben und höchstens den Einsatz als Sprintpaddel in Betracht ziehen können. Wem Quickblade oder BlackProject mittlerweile zu Mainstream ist, sollte hier mal genauer hinsehen. Sensible Naturen könnten beim Paddelwechsel am Verstellmechnismus des 2PC hängenbleiben, da gibt’s ungefährlicheres, oder man geht sowieso auf einteilige Paddel.
Auf die Größe kommt’s an?
Ja natürlich… aber eben auch auf die Form und so ist das Talon eine gelungene Mischung eines Paddels, welches sich schnell paddeln lässt, ohne beim Exit zu “kleben”.
Aufgrund der geringen Breite lässt es sich knapp am Board entlang führen und es bietet viel Biss vom Catch über die Zugphase bis zum Exit. Dieses Paddel hat mich wirklich endlich wiedermal positiv überrascht… schön zu sehen, dass doch auch immer wieder richtig gutes Material neuer Hersteller nachkommt.

Hot or not…
Ihr habt es vermutlich eh schon rausgelesen… mich hat vor allem das Talon völlig begeistert. Ein Paddel soll dazu da sein die körperlichen Ressourcen so effektiv wie möglich in Vortrieb umzusetzen, mit dem Langusso Talon gibt es ein weiteres Modell, welches einen bestimmt nicht daran hindern wird neue Bestleistungen zu erzielen.
Ich muss bei einem Paddel das Gefühl haben, mich voll und ganz darauf verlassen zu können, dass das Material hält – > dieses Gefühl bekomme ich hier.

Mit dem Knight werde ich noch einige Tests machen, würde mir hier aber eindeutig noch eine größere Variante wünschen.
Wäre ich ein Auto wär ich ein:
Yangwang U9 – billiger als die EU und US Konkurrenz, aber gespickt mit HighEnd-Details.
Hier der Link zum gesamten Produktkatalog der SUP-Racepaddel
































































































