Voices of the Mid-Pack

Ende der Winterpause! Mit Superkräften und voller Motivation, auf in die neue Saison!

Zumindest war das verdammt noch mal der Plan!

Von vorne:

Ausnahmsweise möchte ich meine Erlebnisse bei verschiedenen Rennen, aus Sicht des klassischen Mittelfeldkämpfers auf deutsch verschriftlichen. Zum Einen will ich damit ambitionierten Freizeitpaddlern Mut zusprechen, Teil der SUP-Renngemeinschaft zu werden, zum Anderen will ich aber auch meine mich erdenden Erfahrungen teilen. Warum auf Deutsch und nicht wie mittlerweile gewöhnt auf englisch? Zu 80% wird es Leser*innen aus dem deutschsprachigen Raum interessieren… und im Zweifelsfall kann man ja immer noch Google-Translate verwenden 😉

Die Wochen und Tage vor dem ersten Rennen der Saison…

Bis Anfang Mai wollte ich bestens vorbereitet in die Saison starten und hoffte auf ein legendäres Event im Kuchelauer Hafen unter dem Namen Raven van Haven 8.0. Leider musste dieses Rennen auf den 19.06.2021 verschoben werden. Nach einer langen Vorbereitungszeit, vielen Trainingskilometern und ständigem Techniktraining, hoffte ich meine Leistung im Verhältnis zu den anderen Paddlern steigern zu können.

Der regelmäßige Blick auf das Instagram-Profil der unheimlich motivierten SupsportClub-Graz-Truppe ließ allerdings erste Befürchtungen aufkommen, dass mein Trainingspensum wohl auf Dauer keine Platzierungen im Mittelfeld zulassen würde. Was aber tun, wenn weder Motivation, noch Lebensumstände intensiveres Training zulassen?

Druck rausnehmen, das Paddeln wieder als das Seele-reinigende, teils meditative Erlebnis genießen und die Zeit am Wasser einfach genießen.

David Müller, Mai 2021 😉

Soweit die Theorie 😀

In der Woche vorm Legend of OX, einer SUP-Veranstaltung der Spitzenklasse, paddelte ich mit meinem Trainingsbuddy Stefan eine Runde am Attersee. Nach den ersten 5km und anfänglich hohem Tempo, verriet ein Blick auf die Garmin-Sportuhr… das ist mein Limit.

Eine Pace von 6:34-6:47 (8,9-9,1km/h) trieb meinen Puls beim Versuch an Stefan dranzubleiben auf knappe 170 Herzschläge pro Minute. Ungläubig nahm ich das Tempo raus, suchte nach Rechtfertigungen die meine vermeintlich schlechte Form erklären könnten.

Let’s face it…

Wurde ich über die Wintermonate trotz regelmäßigem Training und schnelleren Board langsamer? – Mitnichten… Stefan wurde nur abermals schneller und damit kann ich auch momentan noch nicht an seine Leistungen anknüpfen. Wer viel trainiert, will Ergebnisse sehen und verglichen mit letztem Jahr, stehe ich heute deutlich stabiler am Board bei potenziell höheren Reisegeschwindigkeiten. Angesichts der Tatsache, dass das LightCorp Signature ein schwieriger zu paddelndes Board ist, als das letztjährige Starboard Allstar, muss ich mich mit kleineren Schritten zufrieden geben.

War ich aber Bereit dazu, auch einen Massenstart mit knapp 70 Paddlern am Signature zu überleben?

Die Qual der Wahl

Letztes Jahr „nur“ als Zuschauer anwesend, spekulierte ich bei welchen der ausgeschriebenen Disziplinen eine Teilnahme sinnvoll sei. Zwei Tage hintereinander waren mir dann doch, angesichts der bescheidenen Wettervorhersage, zu viel des Guten.

Also sollte es das Long Distance und das kultige Legend of OX 3km iSup Rennen werden.

Mit First World Problemen der besonderen Art, musste ich nur noch entscheiden mit welchem Equipment ich starten möchte. Zur Auswahl stand mein Starboard Sprint 14×23,5 das fordernde aber liebgewonnene LightCorp Signature 2.0 14×24,75 , eine Reihe an Traumpaddel (QB UV88, Braca Marlin, Jantex Ypsilon und Starboard Lima 2021), sowie mein No-Brainer iSup SIC Bullet Airglide 14×28,5.

Kurzum… ich wollte einfach wissen ob ich das LightCorp Signature unter Rennbedingungen vernünftig fahren kann, ohne zahlreiche Abflüge riskieren zu müssen. Beim Paddel nahm ich das Braca Marlin 94sqi 2pc, was sich im Nachhinein betrachtet als mutige Entscheidung herausstellte.

Der Wetterbericht sagte zumindest auch für den Vormittag noch Regen voraus, von daher war klar, dass ich mal beide Trockenanzüge (Drydor Quantum Extreme & Supskin Shorty) einpacken werde. Getreu dem Motto „Wer weiß was kommt?“, habe ich sicherheitshalber Gewand für 3 Tage, Badehose, 3Paddel und alle erdenklichen Hydrierungsvarianten mitgenommen.

Raceday – Long Distance

Sing: „Voll gepackt mit schönen Sachen, die das Leben schöner machen…“( mit Board ins Weekend Feeling); machte ich mich nach dem Frühstück auf nach St.Gilgen.

Am Veranstaltungsort wurde das COVID-19 Schutzkonzept mustergültig und strikt durchgezogen. So war die FFP2 Maske zwar mein ständiger Begleiter, konnte aber die Freude nicht bremsen, viele gleichgesinnte, freundliche Gesichter nach langer Zeit wieder mal in Natura zu sehen.

Anfänglich leichter Regen und zunehmend steigende Nervosität haben mich dazu bewogen den Minustemperaturen erprobten Drydor Trockenanzug anzuziehen und mich auf’s Schlimmste vorzubereiten. Is ja auch oft Kopfsache; Wenn du weißt, dass der potenzielle Sturz ins Wasser angenehm ausgehen wird, steht man doch gleich deutlich sicherer am Brett (bin zu 50% Deutscher, ich darf das schreiben).

An der Startlinie angekommen ging bei mir der Puls auf über 150 ohne auch nur einen Paddelschlag zu machen. Nach dem Startsignal „Riders ready? Go!“ ertönt ein Schuss, das Adrenalin fährt durch den ganzen Körper und mit maximalem Einsatz wird auf die erste Boje losgepaddelt. Luft ist in rauen Mengen verfügbar, die Atmung kontrolliert, der Puls aber auf Anschlag. Dann kommen die ersten Seitenwellen der anderen Fahrer, kombiniert mit Bootswellen – die ersten Fahrer legen eine kurze Schwimmpause ein – mein Fokus bleibt auf Balance wahren und die Anzahl an Korrekturschlägen gering zu halten.

Habe ich schon erwähnt, dass ich Turns hasse? Als Regular Fahrer kommen mir tendenziell noch eher Linksturns gelegen, die 5 von 6 Turns je Runde waren aber Rechtsturns, also weiter Zittern bei jeder Kurve. Einmal eingependelt, Ende der ersten von drei Runden, probierte ich einen deutschen Landsmann eine Zeit lang zu draften und konnte den Kollegen dann Mitte der zweiten Runde überholen und mir die exzellente Paddeltechnik der beiden schnellsten Damen aus nächsten Nähe ansehen. Auf den Geraden konnte ich die Distanz bis auf wenige, nicht gedraftetete Meter reduzieren, jeder Turn riss wieder eine Lücke von 20-30Metern auf. Auch wenn es laut den Regulatorien zulässig gewesen wäre, habe ich es vermieden die Damen zu draften und musste mangels Sprintkapazitäten versuchen meine Platzierung ins Ziel zu retten. Der mittlerweile stärker werdende Regen, gepaart mit leichtem Wind, ließ keine Langeweile aufkommen.

In der letzten Runde war schon der ein oder andere Schluck isotonisches Billiggesöff nötig, um den Körper vor drohender Überhitzung zu schützen. Muskeln fingen an zu brennen, das Paddel gewann gefühlt von Schlag zu Schlag an Steifigkeit und meine zarten Rehbeine verloren auch etwas an Reaktionsfähigkeit. Schlussendlich gefährdete noch eine ordentliche Bootswelle nahe des Ufers und in unmittelbarer Nähe einer Boje meine Platzierung. Mehr schlecht als recht, konnte mich aber auch diese Herausforderung nicht daran hindern den durchaus akzeptablen 37. Rang hinter den beiden schnellsten Damen ins Ziel zu retten.

Im Ziel angekommen, kurzer Boardcheck, kleinere Kontakte dürften spurlos an meinem Lieblingsboard vorübergegangen sein, – gut so. Mit Glückshormonen überschüttet genehmigte ich mir mit den Paddler*innenbuddys ein kühles Bier zur Feier des Tages.

Ob der Trockenanzug an die Grenze seiner maximalen Wassersäule gekommen ist aufgrund des Dauerregens, oder ob ich mich selbst einfach komplett Nass geschwitzt habe, bleibt ein ungeklärtes Rätsel.

Am Rande sei erwähnt, dass bei diesem Rennen die Creme de la Creme der DACH Region am Start war, wenn auch Kandidaten wie Normen Weber vermutlich meine Platzierung nochmals gefährden hätten können.

Auf der offiziellen Seite des Legend of OX findet ihr die Ergebnisliste und viele weitere Tolle Inhalte, einfach mal reinschauen: https://www.legendofox.com/#lox

Fast wollte ich sagen: „anstecken lassen“ und nächstes Jahr mit von der Partie sein!

Für die Fans der Zahlen, Daten, Fakten findet ihr hier meine Garmin Aufzeichnung. Bedenkt man, dass ich unter Trainingsbedingungen in den seltensten Fällen Herzfrequenzen über 180 erreiche, zeigt es vor allem eines: Rien ne va plus, ich war „All in“

LOX – iSup Race

Mein von Alkohol meist verschonter Körper krampfte bei dem ein oder anderen Versuch sich des Trockenanzuges zu entledigen, für’s kleine Geschäft hat’s aber noch gereicht… keine Sorge. Für einen Kleidungswechsel war ich aber zu faul und trotz des langsam besser werdenden Wetters sulte ich mich weiter im Trockenanzug. Zwanzig Minuten vor dem Rennen musste ich mich noch überwinden das SIC Bullet auf stramme 18psi aufzupumpen.

Der vollkommen Laktat geschwängerte Trizeps krampfte bei den letzten Hüben und zumindest für’s Gewissen, griff ich jetzt zum Jantex Ypsilon 2pc Paddel mit kleinerem Paddelblatt und schonenderem Schaft.

Wenige Minuten vor dem Start habe ich mich neben meinem SUP Idol Michael Frosch in Position gebracht und als die „2Minuten Countdown“ ausgerufen wurden, ging es wieder los…

Weil’s eh wurscht is …

Auf Los kam ich unerwartet gut auf’s Board und sprintete mit aller verbleibender Kraft los und konnte mich mit Mike für knappe 50m an die Spitze des 57Starter umfassenden Feldes setzen. Mike auf gleicher Höhe mit mir ruft mir zu: „Was’n los mit dir?“, ich antworte: „Wart, glei muss i Seite wechseln, dann kannst mir eh davonziehen!“.

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https://youtu.be/qI2L6Ug2824

Zugegebenermaßen nicht gewollt, aber unweigerlich musste ich das Tempo rausnehmen aber diesmal nur verhältnismäßig wenige Paddler an mir vorbeiziehen lassen. Die Wellen der vorbeifahrenden Paddler beeindruckten das Bullet ebenso wenig wie meine Paddeltechnik. Endlich am Wendepunkt, dem Ochsenkreuz, angekommen, konnte ich abermals einen Rechtsturn nach meinem Geschmack (Radius 10m) ausführen.

Wieder war locker genug Luft zum Atmen, mein Körper machte auch ganz gut mit aber die Körperkerntemperatur näherte sich dem gefühlten Schmelzpunkt.

Ein paar Minuten hieß es dann noch durchbeißen und den für mich fabelhaften 12. Platz sichern. Im Ziel angekommen wurde mir vom Eventsponsor RedBull die verlockend kalte Zuckerbombe angeboten und direkt auf EX vernichtet – Brand gelöscht,- jetzt nichts wie raus aus dem Anzug, bevor sich dieser Prozess unmöglich gestaltet.

Wie gehabt, hier wieder der Link für die Datennerds unter euch:

Learnings…

Learnings? Bin ja kein Motivationscoach…

Fazit

Ja, Fazit muss sein, weil’s ja wirklich schön war!

Die Neuauflage der SUP-Alps Trophy unter der Leitung von Gerd Weisner, machte mit dem gelungenen Saisonauftakt am Wolfgangsee dem prestigeträchtigen Event alle Ehre. Für Neueinsteiger bieten diese Events die Möglichkeit neue Boards zu probieren, bei den ersten Wettkämpfen Blut zu lecken und hoffentlich bald Teil der stets wachsenden Community zu sein.

Herzlichen Dank an das gesamte Organisationsteam, die Sponsoren, alle Paddler*innen und hartgesottene Zuseher, die dieses tolle Event möglich gemacht haben!

Bleibt fit, wir sehen uns bestimmt bald am Wasser, oder danach beim gepflegten Tech-Talk.