Die Schlagercommunity trällert es seit Jahrzehnten auf und ab – Schockverliebt, Liebe auf den ersten Blick… Ganz so wie in Florian Silbereisens Show ist es dann meist nicht im echten Leben – wie schon vor zwei Jahren berichtet, hat mich jedoch das Lightcorp Paradoxa bereits beim ersten Test weitgehend überzeugt. Weder mein Fitnesszustand, noch die Lagerkapazitäten, hätten aber ein weiteres Board rechtfertigen lassen.

Was hat also trotz eines außer Rand und Band gekommenen BMI zu diesem Kauf geführt?
Betrachtet man europäische Startfelder, kann der Zuwachs an LightCorp Boards – aus der Sicht deren Mitbewerber – als problematisch erscheinen.
Vergleicht man dann auch noch die Platzierungen jahrelanger Kontrahenten, so wird schnell klar, dass das Board wohl doch den entscheidenden Unterschied machen KANN.
Warum erst jetzt der Durchbruch auf ganzer Linie?

Bereits mein bisheriger Liebling, das LightCorp Signature, ist in Sachen Glide in einer eigenen Liga. Die dabei erkauften Nachteile waren allerdings sowohl eine nicht vorhandene Nulllage, aufgrund des generell sehr runden Unterwasserschiffs, als auch mäßige Sprintqualitäten, aufgrund des schmalen Pintails. Die starke Rollneigung, bis dann erst die secondary Stability greift, kann vor allem beim Start eines Rennens zum Problem werden.

Schwerpunkt sei Dank!
Das LightCorp GT war zwar im Sprint besser, aber aufgrund des hohen Drehpunkts und des geringen Rockers nur eingeschränkt nutzbar – ein insgesamt besseres Raceboard war es für mich nicht.
Mantra…hab ich das Mantra etwa vergessen? Nein, das Mantra hatte eine verhältnismäßig hohe Standfläche und fühlte sich im Vergleich zu neueren Starboard Modellen und auch dem Signature etwas aus der Zeit gefallen an… Eine Standhöhe von 3-4 cm über der Wasserlinie ist nicht mehr zeitgemäß und auch relativ schwierig zu paddeln.
Damit waren LightCorp Boards Werkzeuge für Spezialisten, die sich die Vorteile der Hollow-Bauweise mit überdurchschnittlichen Gleichgewichtsskills, erkaufen mussten.
LightCorp Haxn – lautete die Bezeichnung eines sehr erfahrenen Paddlers nach einer ausgedehnten Testrunde am Neusiedlersee bei Seitenwelle.
PARADOXA – Das Beste aus allen Welten?

“Samma si doch ehrlich…” – das, was wir in Zentraleuropa an Seen und Flüssen an Fahrbedingungen vorfinden, ist international bestenfalls als leicht bewegtes Wasser zu bezeichnen und dennoch hat Starboard mit der Sprint Serie ab 2022 ein Board erschaffen, dass selbst von den absoluten Profipaddlern kaum gefahren wurde. Ist man hierbei zu weit gegangen? Vermutlich schon…
Der wesentliche und in den meisten Fällen entschiedenste Vorteil den ich bei LightCorp im Vergleich anderen Marken beobachte ist, dass jede Breite für einen designierten Gewichtsbereich designed wird und nicht beim schwersten Teamrider endet.
Beim Signature waren selbst kleine Sprünge in der Boardbreite eklatant spürbar, so ist das 24,75-er noch gut fahrbar für mich und das 23,85-er bereits ein reiner Rollbalken, den ich unmöglich im Rennen fahren würde.
Nicht so beim Paradoxa: Hier stellt man sich drauf, spürt wohl das geringe Trägheitsmoment – gerade in der Naked-Bauweise – hat aber eine definierte Ruhelage, eine definierte primäre Kippstabilität und eine schier unendliche sekundäre Kippstabilität.

Diese geht so weit, dass ich mich mit aktuell 105 kg auf einem Fuß maximal dezentral auf’s Deckpad stellen kann, das Board auskippt, aber nicht überdreht -> das ist nur möglich dank des Standbereichs deutlich unter Wasserlinie. Zudem ist das Cockpit deutlich breiter gestaltet als beim Signature 2.0, sodass diese Boards trotz beinahe 5 cm Breitenunterschied eine ebenso breite Standfläche bieten!

Im 24,5-er hatte ich fast schon zu viel Platz und ein Stabilitätsangebot, welches ich beim angestrebten Einsatzbereich nicht nutzen würde. Beim Turn hat man in jeder Breite ein überdurchschnittlich breites Heck zur Verfügung, man muss aber auch selbstbewusst die Rampe zum Kickpad hochsteigen um die Nose ordentlich aus dem Wasser zu heben.
Der Turn
Wie auch beim Signature erfordern die Turns einige Eingewöhnungszeit und gehen nicht so einfach von der Hand, wie das bei einem Infinity Blackfish oder einem Starboard Allstar der Fall ist. Ich würde auch aktuell noch behaupten, dass ich noch Monate davon entfernt bin, das Paradoxa ebenso gut turnen zu können wie das Signature.

Hat man mal den Sweetspot gefunden, kann man das Board durchaus schnell drehen, auch ohne das Deckpad zu fluten. Das ist aber auch notwendig, denn wenn es dann doch mal passieren sollte, zeigen sich die beiden Venturi Abflüsse von ihrer gemütlichen Seite. Auch wenn die Reisegeschwindigkeit mit dem dann über 20 kg wiegenden Board über 8 km/h liegen sollte, dauert es im Vergleich zum Allstar eine gefühlte Ewigkeit, bis das Deckpad wieder weitestgehend frei von Wasser ist.

Ja, optional könnte man das Paradoxa auch mit 4 Drainagen bestellen, wäre vermutlich auch keine schlechte Idee gewesen – ich habe mich aber für eines der auf Lager befindlichen Modelle entschieden.
Lightweight – next level
Schon das Signature ist ein unheimlich leichtes Board, aber unter 10 kg waren in meiner Breite nicht möglich. Mein weitgehend aber nicht fully naked Paradoxa, wiegt inklusive 285g schwerem RS PRO RaceMaster Railsaver lediglich 9,5 kg inkl. Finne!!!

Die zu überwindende Trägheit ist derart gering, dass man beim direkten Umstieg von herkömmlichen Boards (in meinem Fall meist ca. 13 kg schwere) erstmal eine Neukalibrierung des ZNS benötigt. Die Beschleunigung ist derart unverzögert, dass man sich damit erstmal vertraut machen muss.
In Bewegung ist das Paradoxa dann ein sehr entspannt zu paddelndes Board, welches auch kleine Unachtsamkeiten verzeiht. Der Geradeauslauf ist okay, aber nicht übermäßig stark ausgeprägt. Fahre ich Finnen mit wenig Fläche und Tiefgang sind Seitenwechsel ähnlich oft erforderlich wie beim Signature. Klingt nach einem Nachteil, hat aber in der Praxis den Vorteil, dass der Kurs durch kleine Korrekturschläge geändert werden kann.
5-6 starke Züge und schon kann man das Paradoxa ins Gleiten bringen und es auch mit deutlich geringerem Kraftaufwand bei ca. 10-12 km/h halten als es mir mit dem Signature möglich wäre. Grund hierfür ist die Wasserlage und meine suboptimale Gewichtsverteilung während des Paddelzugs. Durch die Gewichtsverschiebung von Catch bis Exit (entlang der Längsachse), tauchen Boards mit schmalem Heck stärker weg als pfeilförmige Boards.


In dieser Abbildung sieht man den Unterschied perfekt!
Verdammte Hydrodynamik
Wenn einen die Hydrodynamik eines lehrt, dann, dass es keinen Vorteil ohne Nachteil gibt. Das Paradoxa ist dabei der konsequente Versuch die positiven Eigenschaften eines Signatures mit den Optimierungsvorschlägen hinsichtlich Fahrbarkeit und Sprintqualitäten zu optimieren. Das gelingt in manchen Teilen, lässt das Signature aber weder alt aussehen und schon gar nicht überflüssig wirken. Gerade mit meinem aktuellen Körpergewicht, bin ich sowohl beim Signature als auch beim Paradoxa oberhalb der idealen Gewichtsrange.

Das schmale Heck des Signature funktioniert quasi immer… außer im Sprint, links und rechts von diesem Einsatzzweck liebe ich es allerdings.
Das Allstar ist bei Turns nach wie vor mein bisheriger Favorit und gibt einem dank der erhöhten Massenträgheit wesentlich mehr Zeit um jegliche Wendemanöver durchzuführen.
Ins Paradoxa reinzuklettern klappt unerwarteter Weise besser als gedacht und dennoch dauert es unheimlich lange bis das gesamte Deckpad entwässert wurde. So ist hierbei nochmals mehr Feingefühl gefragt als beim Signature – kurzum – hier wurde der heilige Gral der Venturis noch nicht gefunden.
EisdielenBoboBoard?
Wer kennt sie nicht… die Bierbäuchigen “Ex” Triathleten am 10.000 € Zeitfahrrennrad – dem modernen Zeichen der Midlifecrisis des stabilen Mittelstandes. Im SUP Sport ist der Aufstieg in die absolute Königsklasse nichtmal halb so teuer, wie beim Biken, trotz des ungleich höheren Carboneinsatzes. Mit dem SUP in die Fußgängerzone zu gelangen, oder am Stadtplatz prominieren ist zugegebenermaßen etwas schwieriger, aber neugierige Blicke am und im Wasser zieht ein Paradoxa definitiv auf sich.

Einstellen sollte man sich auch auf die Frage, ob man darin sitzt oder liegt (WTF). Vorsichtige Stupser mit der Zehenspitze neugieriger Badegäste quittiert man aber idealerweise mit einem lauten und bestimmten: “He, Oida… Fiaß weg! – des is ka Spüzeig!”. So stabil HollowBoards im bestimmungsgemäßem Einsatz sind, so gefährlich ist das unbedachte draufsetzen an Land.
Dank besserer Schlagfestigkeit, besserer Reparierbarkeit und deutlich dickerem Laminat, sollte einem langen SUP-Leben aber nichts entgegenstehen.
Customize your Paradoxa
Vier Lagen unidirektionales Prepreg-Carbon, ausgehärtet im Autoklaven – das repräsentiert den derzeit machbaren Stand der Technik – unbezahlbare Bräustübel-Customlösungen mal außen vor…
Das Board ist fest, die Trägheit auf’s absolute Minimum herabgesetzt, zumindest wenn man eine der zahlreichen “naked” Optionen wählt. Entgegen seiner Vorläufer von Nelo benötigt das Paradoxa keine Gelcoat Schutzschicht und ist damit nochmal ein gutes Stück leichter, oder im Falle der “Painted” Versionen in etwa gleich schwer wie das Signature.

How it rides…
Die Standardfinne ist schon richtig gut und keinesfalls zu klein, bezogen auf den Geradeauslauf. Ich musste doch etwas herumexperimentieren und fühle mich derzeit mit verhältnismäßig großflächigen Finnen am Wohlsten. Das Heck lädt – zumindest mich – nach wie vor nicht wirklich ein, mich übermäßig stark am Board zu bewegen; in erster Linie aber um zu vermeiden, dass Wasser auf’s Deckpad kommt. Damit wird es definitiv nicht zum bevorzugten Urlaubsboard (da nehm ich sowieso lieber iSups), wohl aber zum Genussboard und Kilometerfresser. Mit diesem Board können sowohl persönliche Rekorde, als auch bestmögliche Rennplatzierungen kaum durch’s Material verhindert werden.
Jay Leno’s Garage – oder David Müllers Boards
Wenn ihr Boardsammler seid, dann gehört dieses Teil defintiv in euren Fuhrpark, denn das ist der McMurtry Spéirling – oder für die ehemaligen Playstation Spieler unter euch – der “Suzuki Escudo – Pikes Peak”, das Teil, mit dem du einfach in 90 % der Fälle die besten Karten hast. Für Rennen ist das Paradoxa bestimmt das universellere und erfolgsversprechendere Modell, ob es mir aber auch so ans Herz wachsen wird wie das Signature, muss die Zeit wohl zeigen.

Bleibt dran… dieser Bericht wird mit zunehmenden Erfahrungen noch erweitert und um entscheidende Fahreindrücke (vor allem am See) erweitert.




























